„Nachhaltigkeit ist Teamarbeit“ – Merle Dickopps Weg im Studierendenwerk

Nach zwei intensiven Jahren als Nachhaltigkeitsmanagerin blickt Merle Dickopp auf eine Zeit voller Aufbauarbeit, struktureller Weichenstellungen und persönlicher Begegnungen zurück.

Merle Dickopp sitzt zusammen einigen Kolleg:innen an einem Tisch in einem Besprechungsraum. Im Hintergrund ist ein großer Bildschirm, auf dem ein Bild mit einer Biene und daneben ein Text mit der Überschrift 'Die Pflicht als Chance' zu sehen ist.

Im Interview mit Merle Dickopp (dritte Person von links)

Merle berichtet von ihrem Weg nach Osnabrück und was es bedeutet, das Thema Nachhaltigkeit in einer sozialen Einrichtung fest zu verankern.

Merle, du hast einen spannenden Hintergrund im Profifußball. Wie bist du eigentlich zum Thema Nachhaltigkeit und schließlich zum Studierendenwerk Osnabrück gekommen?

Mein Weg zur Nachhaltigkeit begann während meines Masters in Vechta durch ein Projektseminar bei einem Profifußballverein in Niedersachsen. Dort haben wir eine Leitlinie für die Nachhaltigkeitsberichterstattung entworfen, was mir so viel Freude bereitet hat, dass ich das Thema unbedingt weiterverfolgen wollte. Es folgten ein Jahr bei einem weiteren Profifußballverein und meine Masterarbeit über CSR im Profifußball. Als mir eine Freundin die Stellenausschreibung des Studierendenwerks schickte, wusste ich sofort: Das passt perfekt zu meinem Profil.

Wie hast du deinen Einstieg und die Atmosphäre im Haus wahrgenommen?

Schon das Vorstellungsgespräch war sehr prägend. Weil der geplante Raum belegt war, sind wir kurzerhand ins Büro der Geschäftsführung ausgewichen.

Diese Flexibilität und Unkompliziertheit haben mich sofort angesprochen.

Auch die persönliche Note – etwa als sich die Geschäftsführung „entschuldigte“, mir die Zusage nicht direkt an meinem Geburtstag gegeben zu haben – empfand ich als sehr wertschätzend und aufmerksam.

In den vergangenen zwei Jahren lag viel Fokus auf der Basisarbeit. Was waren die größten Herausforderungen beim Start?

Zu Beginn gab es kaum etablierte Strukturen für ein systematisches Nachhaltigkeitsmanagement. Wir mussten erst einmal die Grundlagen schaffen – angefangen bei der Datenerfassung. In manchen Gebäuden gibt es beispielsweise nur einen gemeinsamen Energiezähler für Mensa und Verwaltung, was eine differenzierte Analyse erschwert. Hinzu kam die Komplexität der Berichterstattung nach CSRD-Standards, in die ich mich intensiv reinfuchsen musste. Da es damals kaum ein Netzwerk unter den Nachhaltigkeitsmanager:innen der Studierendenwerke gab, war vieles echte Pionierarbeit.

Wie ist es dir gelungen, das Thema im gesamten Team zu platzieren?

Meine Aufgabe war es, zu vermitteln, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine lästige Pflicht ist, sondern eine Chance. Ein zentrales Instrument war dabei die Wesentlichkeitsanalyse. Indem wir Stakeholder wie Mitarbeitende und Studierende direkt befragt haben, konnten wir die Bedürfnisse klären und die Leute von Anfang an einbeziehen. Wenn man versteht, wo man steht und was die Ziele sind, fangen die Menschen an, ganz anders mitzuarbeiten.

Welche Meilensteine konntest du in dieser Zeit setzen?

Ein großer Erfolg ist der aktuelle Nachhaltigkeitsbericht, der die geleistete Arbeit nun transparent macht. Wir haben uns dabei bewusst für ein modernes, digitales Format entschieden, um unsere Zielgruppen besser zu erreichen. Die Integration unserer Erdhummel „Eddie“ hilft beim Übersetzen und Erklären. Dieses Maskottchen trägt sehr gut zur Erlebbarkeit bei.

Laptop auf einem Holztisch mit geöffneter Webseite, die den Startscreen des Nachhaltigkeitsberichts mit dem Text 'Unser Werk für die Zukunft.' zeigt, daneben ein Kaffee und unscharfe Büromöbel im Hintergrund.
Cartoon einer Biene mit gelb-schwarzen Streifen, die eine weiße Cap trägt und den Daumen nach oben zeigt.

Neben handfesten Projekten wie den „Klimakarten“ war der Aufbau eines Netzwerks entscheidend – sei es die Zusammenarbeit mit der Uni und Hochschule oder der Austausch innerhalb der Nachhaltigkeits-AG des Deutschen Studierendenwerks.

Was nimmst du persönlich aus deiner Zeit hier mit?

Nachhaltigkeit ist niemals eine One-Woman-Show. Es ist immer Teamarbeit. Es war toll zu sehen, wie viel Bewusstsein in Bereichen wie der Küche oder der Einrichtungsleitung schon vorhanden war, oft ohne dass es groß nach außen getragen wurde. Diese Expertise im Haus sichtbar zu machen und zu bündeln, war ein wesentlicher Teil meiner Arbeit.

Ich bin froh, dass wir diese Grundlagen nun geschaffen haben, auf denen meine Nachfolge weiter aufbauen kann.