20 Jahre Unterstützung vor Ort: Die psychosoziale Beratung in Vechta

Seit 2005 begleitet die Psychosoziale Beratungsstelle (psb) des Studierendenwerks Osnabrück Studierende am Standort Vechta in herausfordernden Lebens- und Studienphasen.

Unsere kleinen Geschenke im Rahmen des Jubiläums in der Beratungsstelle in Vechta.

Was einst mit einem Beratungstag pro Woche begann, hat sich über die Jahre zu einem festen und unverzichtbaren Unterstützungsangebot entwickelt. Im Gespräch blickt Diplom-Psychologin Kerstin Horngacher, die den Standort von Anfang an begleitet, auf zwei Jahrzehnte Beratung, wachsende Bedarfe und die Bedeutung eines verlässlichen Ansprechpartners für Studierende zurück.

Frau Horngacher, Sie sind seit 20 Jahren an der psb in Vechta tätig. Was bringen Sie für diese Arbeit mit?

Ich bin Diplom-Psychologin, systemische Therapeutin und Supervisorin. Vor meiner Tätigkeit beim Studierendenwerk habe ich in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gearbeitet und in Osnabrück studiert. Seit 21 Jahren bin ich insgesamt für die psb tätig – davon 20 Jahre hier in Vechta. Die kontinuierliche Arbeit an einem Standort ermöglicht es, Entwicklungen über lange Zeit zu beobachten und Angebote gezielt anzupassen.

Was genau bietet die psychosoziale Beratungsstelle den Studierenden an?

Das Herzstück sind die vertraulichen Einzelgespräche. Die Nachfrage ist hier seit jeher hoch. Darüber hinaus bieten wir Kurse an – jedes Semester zum Thema Prüfungsangst, ergänzt durch wechselnde Schwerpunkte. Seit der Corona-Pandemie liegt ein Fokus auf dem Überwinden sozialer Ängste. Beratung ist dabei nicht nur als Einzelperson möglich: Auch Paare, WGs, Freundes- oder Lerngruppen können sich gemeinsam anmelden.

Wie haben sich Angebot und Bedarfe über die Jahre verändert?

Sehr deutlich. In der Zeit der Diplom- und Magisterstudiengänge ging es in Lernmanagement-Kursen häufig darum, überhaupt ins Arbeiten zu kommen. Mit der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen stiegen Stresslevel und Leistungsdruck stark an – plötzlich war es wichtiger, zu bremsen und die eigene Gesundheit zu schützen. Reformen, die die Prüfungen wieder entzerrten, haben zeitweise Entlastung gebracht.

Insgesamt sehen wir heute beides: hohen Leistungsanspruch und zugleich den Wunsch nach Balance.

Hat sich auch der Umgang mit psychologischer Beratung verändert?

Ja, sehr. Früher lief vieles „heimlicher“ ab. Heute ist es für Studierende deutlich selbstverständlicher, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich werde oft weiterempfohlen – das zeigt Vertrauen. Gleichzeitig bleibt die Schweigepflicht für mich oberstes Gebot. Die meisten Studierenden sind sehr zuverlässig, auch wenn kurzfristige Absagen bei hoher Nachfrage natürlich bedauerlich sind.

Gibt es besondere Erinnerungen aus 20 Jahren Beratung, die Ihnen im Gedächtnis geblieben sind?

Viele. Besonders prägend war die Zeit nach der Corona-Pandemie. In fast jeder Sitzung hörte ich: „Ich kenne hier niemanden.“ Ich habe dann oft gesagt: Wenn Sie hier sitzenbleiben dürften, würden Sie erleben, dass gleich die nächsten Studierenden kommen, die dasselbe fühlen. Wer den Mut hatte, andere anzusprechen, kam häufig mit einem strahlenden Lächeln zurück. Diese Momente zeigen, wie viel kleine Impulse bewirken können.

Und wie sehen Sie die Zukunft der psb?

Wir machen weiter. Unser Auftrag ist es, für Studierende da zu sein, wenn andere Angebote im universitären Bereich an ihre Grenzen stoßen. Dafür müssen wir wach bleiben für neue Bedürfnisse und unsere Angebote anpassen. Auch wenn sich Universität und Themen verändern: Psychologische Beratung wird immer gebraucht.