Auf ein Wort
Liebe Politikerinnen und Politiker,
liebe Leserinnen und Leser,
das Geschäftsjahr 2025 hat eines mit aller Deutlichkeit gezeigt: Die soziale Infrastruktur unserer Hochschulen steht an einem Wendepunkt. Die Kosten steigen dynamisch – bei Personal, Energie, Bau und Betrieb. Gleichzeitig bleibt die strukturelle Finanzierung durch das Land seit Jahrzehnten nahezu unverändert. Innerhalb von 25 Jahren ist die Finanzhilfe lediglich um 3,2 Prozent gestiegen, während die Beiträge der Studierenden im gleichen Zeitraum massiv anwachsen mussten (+388 Prozent).
Entwicklung der wichtigsten Einnahmepositionen der Studierendenwerke Niedersachsen:
Diese Entwicklung ist nicht nachhaltig. Und sie ist sozialpolitisch sehr problematisch.
Wir haben im Jahr 2025 unsere Organisation weiter modernisiert, Verwaltungsprozesse konsequent digitalisiert und zentrale Verantwortungsbereiche – etwa im Nachhaltigkeitsmanagement – strategisch gestärkt. Wir konsolidieren, wir optimieren, wir übernehmen Verantwortung. Doch Effizienz kann ein strukturelles Finanzierungsdefizit nicht ersetzen.
Die notwendige Entscheidung zur deutlichen Erhöhung des Studierendenbeitrags war Ausdruck dieser Realität. Sie sichert kurzfristig unsere Handlungsfähigkeit – darf aber kein dauerhaftes Steuerungsinstrument werden. Wenn Studierende strukturelle Finanzierungslücken ausgleichen müssen, gerät die Chancengleichheit unter Druck.
Parallel verschärft sich die Lage im studentischen Wohnen. Bezahlbarer Wohnraum ist eine zentrale Standortfrage. Neubauprojekte sind unter den derzeitigen Rahmenbedingungen wirtschaftlich kaum darstellbar. Ein wachsender Investitionsstau gefährdet Qualität, Modernisierung und Klimaziele.
Vor diesem Hintergrund richten wir unseren Blick nach vorn.
Politische Agenda 2026+
1. Dynamische Finanzierungslogik
Die Finanzhilfe des Landes muss automatisch an Tarif- und Kostenentwicklungen gekoppelt werden. Eine statische Finanzierung in einem dynamischen Kostenumfeld führt zwangsläufig zu Beitragserhöhungen. Wer soziale Härten vermeiden will, muss strukturelle Kostensteigerungen strukturell ausgleichen.
2. Wohnraumoffensive „Junges Wohnen 2.0“
Niedersachsen braucht ein Förderprogramm, das Investitionen real ermöglicht. Dazu gehören substanzielle Zuschüsse pro Wohnplatz mit langfristiger Zweckbindung, zinsgünstige Darlehen unter einem Prozent, die Förderung von Sanierung und Modernisierung sowie flexible Mietregelungen. Nur so können Studierendenwerke ihrem gesetzlichen Auftrag dauerhaft gerecht werden.
3. Planungssicherheit statt Projektlogik
Soziale Infrastruktur entsteht nicht im Jahresrhythmus. Sie braucht mehrjährige Finanzierungszusagen und verlässliche Rahmenbedingungen. Planungssicherheit ist die Voraussetzung für Investitionen, für Klimaschutzmaßnahmen und für wirtschaftlich tragfähige Entscheidungen.
Die Einführung des Niedersachsenmenüs ist ein wichtiges Signal. Sie zeigt, dass politische Entlastung möglich ist. Doch Einzelmaßnahmen ersetzen keine nachhaltige Finanzarchitektur.
Die Studierendenwerke sichern täglich die soziale Grundlage für Studium und akademischen Erfolg. Sie sind Fachkräftesicherung, Integrationsmotor und Stabilitätsfaktor unserer Hochschulen.
Das ist keine freiwillige Leistung.
Das ist Zukunftspolitik.
Wer Bildung stärken will, muss die Studierendenwerke strukturell stärken – jetzt.
Herzliche Grüße
Stefan Kobilke
Geschäftsführer